Die optimale Spielvorbereitung

Das zweite Ligaspiel stand an. Der SC Potsdam bereichert die Liga mit frischen Gesichtern. Die Turtles bereichern die Liga mit bunten Stirnbändern. Endstand 11 zu 0.

Bereits im Vorfeld der Begegnung begann es auf Seiten der Turtles aber mächtig zu hageln – und zwar Absagen. Aus den zwanzig Turtles wurden zehn. Mit 50 Prozent besteht man, also kein Grund zur Sorge. Gründe für die eine oder andere Stirnfalte in der schuppigen Haut fanden sich aber noch. Als man sich morgens um 13:00 Uhr vor der Halle traf wurde schnell deutlich, dass die Turtles sich sehr individuell auf das Spiel vorbereitet haben. Über jeden Zweifel erhaben – die unüberwindliche Lasagneplatte und Bruder von Super Mario im Kasten – topfit und gut gelaunt: „Super Luigi“.

Doch bei den Feldspielern wurde es eher… „mittel“. Schnell kristallisierten sich drei gleichgroße Gruppen heraus. Drei Turtles konnte man trotz offenkundiger läuferischer Defizite, in Ermangelung spürbarer Wehwehchen und der Abstinenz gegenüber geisthaltigen Getränken, gut und gerne (den Umständen ihrer liederlichen körperlichen Verfassung entsprechend) als „fit“, die nächsten drei mit leichtem Virusinfekt, stärkerem Virusinfekt und kaputter Hand noch als „angeschlagen“ bezeichnen. Die letzten drei sind in der vergangenen Nacht mit dem Halloween-Partybus anständig über die Klippe gerauscht. Mit aller Nachsicht und Milde ausgedrückt – drei Mal kapitaler Partyschaden.

Soweit so klar. Die Smartphones raus, „kicktipp“ an und die überschwänglichen Prognosen des Spielausgangs deutlich nach unten korrigiert. Als man fünf Minuten vor Spielbeginn das übliche Aufwärmprogramm absolvierte wurde deutlich, dass „angeschlagen“ und „Partyschaden“ deutliche Schwierigkeiten hatten die Latte zu treffen. Dafl schwor das Team mit den Worten „Ich kann nur passen, nicht schießen.“ darauf ein, ihm ja nicht den Ball in Schussposition zukommen zu lassen.

Los geht’s

Die taktische Marschrichtung war klar: ein Drittel reinkommen, ein Drittel Tore schießen; ein Drittel absichern. Das „reinkommen“ war nach 27 Sekunden erledigt. Potsdams auslösenden Pass an der Mittellinie abgefangen, Konni tritt an und lässt dem Goalie mit einem Schlenzer über das ausgefahrene Bein keine Chance (8:55 – Video). Für die übrigen neun erforderte der Weg zum Abklatschen des Torschützen die ersten zügigeren Bewegungen des Tages. Als das Abklatschen erledigt war und beim zurück schleichen auf die Bank die dringend nötigte körperliche Regeneration begann, erinnerte sich Abwehrkröte Dafl an die durch das Abklatschen nicht verbesserte Situation seiner Hand.

Diese Erinnerung hielt sage und schreibe drei ganze Minuten (13:00) ehe er nach Fabis Zuspiel derart vom kleinen Lochball provoziert wurde, dass er ohne zu denken abzog. Dem Schrei des Schmerzes folgte der des Jubels. Rückfragen der Kollegen, ob dies in Anbetracht der personellen Gesamtsituation eine sinnvolle Aktion war, durften überhört werden – wer trifft hat Recht.

Knappe sieben Minuten später stellte Fabi nach kurz gespieltem Einschlag auf 3:0 (20:30). Das Tor des Tages erzielte jedoch Konni, der einen hohen 30m-Pass des Handmaladen Dafl per Direktabnahme sehenswert im gegnerischen Gehäuse unterbrachte (31:13)

Partyschaden spielt auch Floorball

Im 2. Drittel erwachten auch die anderen. Lukas setzt nach knappen sechs Minuten den Gegner hinter dessen Torlinie unter Druck und legt den Ball von rechts in den Slot zu Tommy, der sich nach Beendigung seiner Kunstpause doch dazu durchrang zum 5:0 einzunetzen (42:35). 20 Sekunde später folgte durch Konni auf Stefan eine Kopie des 5. über links zum 6:0 (43:35) – nur ohne Kunstpause. Keine Minute später ging es für den kleinen Lochball mit Tempo über links an der Bande entlang, 1.Klasse reisen wie auf Schienen, ehe er gefühlvoll gehoben in den Lauf von Tommy verabschiedet wurde, der mit so viel Gefühl jedoch nichts besseres anzufangen wusste als dem kleinen runden Etwas einen Schlag auf den Hinterkopf zu verpassen und ihn per Aufsetzer in die Maschen drosch. Sport ist manchmal grausam (45:00). Das 8:0 von Konni, der nach Bandenpass über die linke Seite einen Gegner aussteigen ließ und den Ball frei vor dem Torwart an diesem vorbei schlenzen konnte war wieder gefühlvoller. Danach folgten neun weitere Minuten ereignisarmen Sohlenquietschens auf dem exzellenten Hallenboden bis es endlich in die Pause ging.

Im Schlussdrittel vergingen 6:43 Minuten bis zur ersten Wortmeldung. Lukas wird allein vor dem Tor von einem Potsdamer angespielt und nimmt das Geschenk ohne größere Danksagung an – 9:0. Zwei Minuten später (1:12:25) macht es Stefan etwas besser als Martin und befördert den von der Bande abgeprallten Ball dorthin, wo Martin ihn auch hinhaben wollte – 10:0. Den letzten Arbeitsnachweis des Tages lieferte Konni auf Vorlage von Martin, der per Drehschuss am Gegner vorbei auf 11:0 stellte. Zehn Minuten vor Schluss konnte sich Luigi (wieder einmal) berechtigte Hoffnungen auf seinen Shutout-Badge machen. Die Turtle-Defensive arbeitete jedoch mit Nachdruck am bronzenen Seepferdchen und lieferte den Beweis, dass Schildkröten auch richtig schwimmen können. Ungeachtet der vielen Einladungen zum Ehrentreffer blieb Potsdam jedes Mal am Türsteher mit der Nr. 39 hängen. Kein Zutritt für kleine weiße Bälle. Luigi blieb hart und die Null blieb stehen.

Soviel zum Spiel.

Auswertung

Aber was lernen wir aus den Ereignissen dieses denkwürdigen Novembernachmittags? Manche Ergebnisse sind nicht zu erklären? Bestimmt. Man kann mindestens zwei Monate mit einem gebrochenen Handgelenk Floorball spielen? Eigenartiger Weise schon. Man sollte seine Ergebnis-Tipps nicht vor dem Spiel nochmal ändern, weil man beim ursprünglichen Tipp zumindest die Differenz richtig hatte? Kacke, JAAA!!! Aber was lernen wir aus den drei eingangs erwähnten Arten der Vorbereitung? Sportlich betrachtet lautet die ernüchternde Antwort leider: „Nichts.“ Aber so überhaupt rein gar nichts.

Nach Auswertung der Tore und Vorlagen setzte sich „fit“ mit 7 (4/3), vor „angeschlagen“ mit 6 (4/2) und „Partyschaden“ mit 5 (3/2) Scorerpunkten nur äußerst knapp durch.

Man darf gespannt sein, wie sich die Turtles diesmal vorbereiten, wenn es gegen Floorball Nordost über den staubigen Hallenboden zu schliddern gilt. Klarer Heimvorteil. Man darf gespannt sein.

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