Eine Schildkröte sieht rot

Eine Schildkröte sieht rot

Die Spielgemeinschaft Nordost wurde von den Schildkröten mit 2:1 geschlagen. Allerdings wusste niemand wann das Spiel begann und wann es endete. Schildkröte Luigi sicherte sich fast sicher den nächsten Badge. Am Scorer-Badge arbeitete allerdings niemand realistisch.

Die Turtles starten mit einem Drittel zum vergessen. Nach der zwanzig minütigen Erwärmung war die Überraschung groß, als die Turtles plötzlich mit einem 0:1 Rückstand ins Spiel starten sollten. Die Proteste halfen nichts. Das Schiedsgericht behauptete dreist, dass bereits ein Drittel gespielt wurde und ein gewisser „Jöran Keßler“ ein Tor zu Gunsten des Gegners erzielt haben soll. Lächerlich! Das hätte man ja wohl mitbekommen. Gegen die vermutlich aufgrund ihrer grünen Hautfarbe benachteiligten Turtles werden wohl alle Register gezogen.

Wie am Schnürchen

Das erste Drittel beginnt beeindruckend unbeeindruckt druckvoll. Die Begriffe „Turtles“ und „Ballbesitz“ waren untrennbar miteinander verbunden. Nach mehr oder weniger blinden Abspielen überließ man dem Gegner den Ball nur kurz und wartete ab, bis dieser das Spielgerät mittels Fehlpass wieder her schenkte. Das 1:0 fiel nach 1:58 Minuten. Timm bekommt den Ball links im Angriffsdrittel, macht ihn schnell und legt quer. Michal überlegt nur 0,03 Sekunden, in welcher Reihenfolge er die drei vor ihm stehenden Gegner austanzen würde, entscheidet sich dann aber doch dafür einfach volle Axt draufzuhalten und zimmert brachial in die Maschen. Die Schiedsrichter geben den Treffer trotz Michals grimmiger Miene und stellen auf 1:1 – Diese Schieber mit ihrem Phantomdrittel !

Anschließend quälend einseitige Minuten krötiger Angriffsbemühungen deren Abschluss immer darin bestand einem Gegner den Ball aufzubrennen. Auch die zuweilen vorgetragenen Ballstafetten wie aus dem Lehrbuch, ergaben ebenso wie die mehr oder weniger sehenswerten Einzelaktionen immer das gleiche Resultat. Permanent schob der Gegner einen Körperteil zwischen Ball und Tor und ließ diesen im Tutlestyle tätowieren, was aber keine der trägen Kröten dazu bewegen konnte von dem Schussversuch abzulassen. Die alsbald gefestigte Erwartung den Ball mittels Fehlpass wieder geschenkt zu bekommen wurde zunehmend weniger erfüllt. Der Gegner nahm sich plötzlich das Recht heraus den Ball zu behaupten und neben einer Vielzahl nadelstechender Konter plötzlich eigene Angriffe vorzutragen. Und die Schiedsrichter? Die blieben völlig untätig und ließen die Gäste spielen. Schieber !

Aus Zuschauersicht gab es sicher die eine oder andere gefährliche Szenen zu überstehen, aber in der spannungsfreien, ereignislos lethargischen Luft im eigenen Drittel lag kein weiterer Treffer. Offensiv war es die Geschichte von Hase und Schildkröte. Da wo die Schildkröte mit dem Ball lauerte stand immer schon ein Hase.

Mitteldrittel

Im zweiten Drittel wollte man dann zulegen. Die ballführende Kröte im Vollsprint gegen mindestens zwei Gegner, die beiden anderen Stürmer versuchten mühsam in eine Angriffsposition freizuschlurfen und das Abwehrduo stütze sich auf die Schläger und hatte Mühe die Augen offen zu halten. Jedem körperbetont geführten Zweikampf war auch die Bitte seitens des Gegners zu entnehmen aufzuwachen. Dieser Bitte kam man im Defensivzweikampf ein ums andere Mal nach. Es wurde ruppiger, aber in der Turtleabwehr kam nicht viel davon an. Die Gemüter der Offensivreihen hatten die Zimmertemperatur jedoch schon deutlich überschritten. Dann führte ausgerechnet ein zügiger, wie präziser Konter über Konni, Adrian und Philipp sehenswert zum mehr als verdienten Tor.

Die damit hergestellte Führung war allerdings nicht ganz so verdient. Kurz vor Ende des zweiten Drittels, als der Gegner mittels beherzten Stoßes erneut einen Turtle in die Bande zimmerte und bei den Schiedsrichter nun mit äußerster Vehemenz um die erste Zeitstrafe des Spiels bettelte, gaben diese endlich nach und für ein sattes Stoßen in die Bande eine Strafzeit von ganzen zwei Minuten. Sehr, sehr geizig aus grüner Perspektive. Augenrollend vorgetragene Kommentare zu dieser Entscheidung folgten – mehr nicht.

Hier kommt ein Karton

Luigi, der sich das erfolglose Gegurke seiner Vorderleute nun fast 60 Minuten (inklusive Warmup) geben musste, fiel nun endgültig die Spagetti von der Gabel und ihm schoss die Tomatensoße aus den Augen. Er riss die Schiedsrichter aus ihrer stetig interessiert wirkenden Zuschauerrolle und stellte diese vor eine Aufgabe. Er machte dem eben noch foulenden Gegner sehr nonverbal deutlich, dass dessen Körpereinsatz mit einer fairen Spielweise nicht in Einklang zu bringen sei, indem er ihm seine Wahrnehmung des Zweikampfes auf recht haptische Weise näher brachte. Die Schiedsrichter zogen den am Schiedsgericht sitzenden SBK-Joker, der das Regelwerk in den „jauchschen 30 Sekunden“ noch einmal kurz zusammenfasste. Beim anschließenden Topfschlagen entdeckten die Schiedsrichter das gesuchte Ansichtskärtchen, auf das sie Luigi dann fast um Entschuldigung bittend blicken ließen. Aufgabe gelöst – Roter Karton. Luigi war erlöst und musste sich die letzten vier Sekunden (des 2. Drittels) nicht mehr ansehen.

Erwähnenswert war noch der Einsatz von Konni als Ersatztorwart, der sich nur nach einiger Überredungskunst dazu bewegen ließ neben Maske und Genitalschutz auch noch die Hose überzustreifen. Auf die Knieschoner verzichtete er, da er sich für die letzten vier Sekunden ohnehin nicht hinknien wolle.

Den Vogel schoss dann aber vollends das Schiedsgericht ab, als es die für Beobachter dem Vernehmen nach spannende Partie nach nur zwei gespielten Dritteln kommentarlos abpfiff. Weder Schiedsrichter noch Gegner protestierten, den Turtles war’s egal.

Den Rambo-Badge so gut wie sicher und demnächst 50 Euro ärmer bleibt Luigi gegen den BFK am 21.11.2015 nur die Zuschauerrolle, wenn er unserem nicht weniger talentierten Julian die Daumen drücken wird. Samstags sind die Turtles besser – aber auch für jede Überraschung gut.

Warnhinweis: Der Text könnte humoristische, satirische oder gar ironische Passagen enthalten und ist für Leser unter 9 Monaten nicht geeignet. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte die Redaktion und verlassen sich nicht auf deren Beteuerungen zum geistigen Zustand des Autors.

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