Turtles gewinnen Stena Line final4

Am gestern beendeten Wochenende fand in Dessau mit dem final4 mit allerlei Pomp und Prunk, DAS Jahrestreffen der Floorballgemeinde statt. Unter dem Motto „first things first“ begann das Großereignis gleich mit dem absoluten Highlight, dessen Schein durch die Anwesenheit sieben handverlesener Repräsentanten der Floorball Turtles weit über Europas Grenzen strahlte.

Wie es der Titel bereits vorweg genommen hat, beendeten die Turtles die späte freitägliche Nacht als Sieger des Stena Line final4. Die Turtles waren die strahlenden Gesamtsieger der Veranstaltung und räumten in allen wesentlichen Kategorien ab. Die Titel für Bestes Outfit, Beste Interpretation des Pinguin-Songs und Bestes Anti-Vorbild gingen ohne ernstzunehmende Konkurrenz bereits während der Turnieranmeldung an die men in green. Obwohl die schuppige Gesellschaft damit in der Gesamtwertung schon uneinholbar vorne lag, wurden sämtliche Aluminiumdosen in die Waagschale geworfen, um auch den Titel Bester BAK-Wert abzuräumen. Zusätzlich sackte man in der Tombola mit dem Klosterbräu-Krug, der Salatschleuder und der Damen-Handtasche mit beperlter Handgelenksschlaufe die drei Hauptpreise ein.

Aber die Turtles nehmen nicht nur, sie geben auch. In diesem Jahr war es ein Workshop über umweltorientiertes Ressourcenmanagement. Selbst das Hotelpersonal im Radisson Blu nutzte den Heimvorteil und sicherte sich mit einem Guten Morgen, Housekeeping drei Gratisplätze im Workshop. Ein wirklich äußerst respektabler Move der Mitarbeiter.

Sportlich, sportlich …

Selbst im sportlichen Bereich spielte kämpfte trank daddelte man sich in einem mit Junioren-Nationalspielern, Bundesligaspielern und trainingsbesuchenden Sportlern sehr hochkarätig besetzten Teilnehmerfeld bis ins Finale. Dort unterlag man, wie es sich für gute Gäste gehört, der gastgebenden und fantastisch spielenden U17 der Black Wolfes Dessau, die Samstag früh gegen 3:45 Uhr dubiosen Umgang mit angeheiterten Bademantelträgern pflegte. Wir wollen da nicht allzu pedantisch sein, aber liebe Eltern – das Jugendamt weiß Bescheid, Anzeige ist raus!

Turtles auf Platz 2Die parallel durchgeführte Deutsche Penalty-Meisterschaft muss hier nicht näher beschrieben werden. Als klar war, dass der Sieger erst am Samstagabend vor Publikum ermittelt werden würde und teamintern ausgeschlossen wurde, dann noch einmal einen Schläger anzupacken, haben die verbleibenden Turtle-Teilnehmer die Gegner unter Vortäuschung größtmöglicher Anstrengung gewinnen lassen. Glückwunsch trotzdem an den jetzt nicht gerade unverdienten Sieger [Hat’s jmd mitbekommen?].

Bei so einem integrativen Top-Ereignis muss der Focus aber auch auf den teilhabenden Breitensport gelenkt werden. Das sportlich reizvolle final4 mit den 18 teilnehmenden Mannschaften wurde aus monetär motivierten Marketinggründen unter dem gleichen Namen zusätzlich mit je vier Damen- und Herrenteams verwässert. Aber auch diese Sportfreunde strengten sich an und sollen nicht unerwähnt bleiben.

Weißenfels?

Besonders zu erwähnen ist dabei das kleine Städtchen Weißenfels. Im Halbfinale gegen die Turtles noch mit 4:2 unterlegen, kämpfte es sich in den zwei Nebenwettbewerben in gallisches-Dorf-Manier mit zwei weiteren Teams völlig unerwartet in die Finals. Dieses selbst unter Floorball-Experten als „weißer Fleck“ auf der Floorball-Landkarte bezeichnete Städtchen, im tiefsten Floorball-Niemandsland zwischen Berlin und Bayern, sollte aber noch auf sich aufmerksam machen.

Matthias Kuch (simon-werbung)

Bei den Damen gelangte Weißenfels mit einem 7:5 gegen Dümpten ins Finale und traf dort auf Grimma, welches sich mit 9:2 gegen die SG Dresden/Heidenau durchsetzte. In einem mitreißenden Finale setzte sich Weißenfels in einem hochspannenden Duell gegen Grimma mit 4:3 einen Titel auf den Briefkopf. Bei den Herren rieb sich Weißenfels im ersten Halbfinale an Lilienthal auf, zogen aber dennoch völlig überraschend mit 8:4 ins Finale ein. Dort wartete Berlin, das gegen Holzbüttgen mit einem 8:3 den Weg ins Finale ebnete. Im Finale ließ Berlin die Weißenfelser dann mit einer 4:0-Führung starten, um sich medienwirksamer heran kämpfen zu können. Als die sympathischen Underdogs aus Mitteldeutschland selbst diese Führung nicht über die Zeit brachten, schossen sich die Berliner den Ball ins eigne Netz und schenkten den Newcommern damit den Titel. Ganz noble Geste von Berlin.

Mit dem Ende dieser intensiven dreitägigen Veranstaltung können sich nun alle Spieler, Organisatoren und Helfer wohlverdient der eigenen Regeneration widmen. Einzig die Schiedsrichter-Beobachter werden noch über Wochen mit dem Auswerten ihrer Notizen beschäftigt sein. Ob dies zu einem 2018er Workshop zum Thema Zeitstrafen – Wann? Wofür? Warum? führt, wird sich zeigen.

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